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Autor
P. Peter Willi FSO

Startschuss "Aschermittwoch"

Nur einer gewinnt den Siegespreis. Lauft so, dass ihr ihn gewinnt!

In einem Rundschreiben der Kongregation für den Gottesdienst aus dem Jahr 1988 (19. 2.1988) heißt es: "Am Aschermittwoch treten die Gläubigen, indem sie sich die Asche auflegen lassen, in die Zeit ein, die zur Reinigung der Seele bestimmt ist. Dieses Zeichen der Buße, das aus biblischer Tradition stammt, deutet an, dass der Mensch ein Sünder ist, der seine Schuld offen vor Gott bekennt; er gibt so seinem Willen zu innerer Umkehr Ausdruck, von der Hoffnung geleitet, dass der Herr ihm gnädig sein möge. Mit diesem Zeichen beginnt der Weg der Umkehr..." (Nr. 21).   Die 40 tägige Fastenzeit ist zur Reinigung der Seele bestimmt.   Es gibt in uns viel Bewusstes und Unbewusstes, Offenkundiges und Verborgenes, das dem Wirken der Gnade im Wege steht: das kann eine unbegründete Angst sein oder eine falsche Vorstellung über sich oder über andere, eine Erwartung, die wir an uns oder an andere richten und nicht dem Plan Gottes entspricht. Das Wirken Gottes kann eingeschränkt werden durch Nachlässigkeit oder Oberflächlichkeit in dem einen oder anderen Punkt, durch die Haltung des Perfektionismus oder durch Einbildungen und phantasievolle Wünsche, die nicht im Leben stehen. Jeder von uns ist ein Sehender und zugleich noch ein Blinder, der vieles noch nicht sieht. Jeder ist ein Gehender und zugleich in dem einen oder anderen Punkt noch ein Lahmer, ein Sprechender und dann und wann noch ein Stummer, ein Hörender und trotzdem noch ein Tauber.

Diese Fastenzeit sei eine Zeit der Buße für alles, was wir durch unsere Sünden, Fehler, Schwächen, Unterlassungen und Lieblosigkeiten dem Herrn an Schmerzen zugefügt haben. Unter den vielen Werken der Buße ist das größte und schönste Werk die Liebe. Nach dem Wunsch Jesu sollte Petrus die Wunden der Untreue und die dreifache Verleugnung mit einem dreifachen Versprechen "Ich liebe dich" wiedergutmachen. Der Herr will keine Analyse und kein Nachgrübeln über die Sünde, er erwartet von uns die Liebe.

Die vor uns liegende Zeit nennt man österliche Bußzeit und in der deutschen Sprache auch Fastenzeit. Das Fasten bezieht sich auf die Nahrungsaufnahme, es kann und soll sich aber auf viele Bereiche des Lebens beziehen: auf das Reden, auf das Lesen, auf die Verwirklichung eigener Pläne usw. Man könnte sagen: Fasten ist wie ein Stärkungsmittel für den von der Sünde gekennzeichneten schwachen geistlichen Menschen. Mutter Julia sagte einmal: "Die Elite unserer Zeit geht daran zugrunde, dass sie so vieles versteht, aber nicht die Kraft hat, es zu tun." Wo das Opfer fehlt, wird der Mensch kraftlos. Wo die Überwindung fehlt, wird er lahm. Durch Fasten wird der Mensch innerlich stark. Er wird offener für das Wirken des Hl. Geistes und von diesem mehr bestimmt. Man könnte das Fasten auch mit einem Putzmittel vergleichen. Wir wissen, wie mühsam das Putzen ohne geeignete Reinigungsmittel sein kann. Die Reinigung der Seele gelingt dann, wenn wir das Fasten in seinen verschiedenen Formen halten. Der Mensch, der sich in seinen Genüssen begrenzt, erlebt eine innere Auferstehung, er verbannt viel leichter die Sünde aus seinem Leben und wird erfüllt von der Kraft Gottes.  

Im Evangelium des Aschmittwochs (Mt 6, 1-6.16-18) fordert der Herr uns auf, im Verborgenen zu beten, im Verborgenen die Liebe zu üben, im Verborgenen zu fasten. Er warnt davor, das Lob oder das Mitleid von anderen zu suchen. Es geht darum, einander in Freude und Friede zu begegnen.  

Gehen wir also mit Vertrauen in diese Gnadenzeit hinein. Es wird wohl den einen oder anderen Läuterungsschmerz geben, aber er ist der Vorbote der Osterherrlichkeit, die der Herr uns und durch uns vielen anderen Menschen schenkt.