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P. Peter Willi FSO

Maria, Sitz der Weisheit,

die Gnadenmutter von Thalbach

Statue, Maria Sitz der Weisheit, 13. Jahrhundert
In der Kirche des Klosters Thalbach befindet sich eine über zwei Meter große wunderschöne Marienstatue aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Betende Menschen rufen hier seit über 400 Jahren und zuvor schon lange Zeit im Kloster Mehrerau Maria als Sitz der Weisheit an.
Was sagt uns diese Anrufung Mariens?
 
Die Weisheit ist eine Gabe Gottes. Nach Kardinal Leo Scheffczyk ist sie „das Denken und Handeln aus dem tiefsten göttlichen Grund“. Papst Benedikt XVI. sagte: „Weisheit ist nicht etwas Abgestandenes, sondern Verstehen dessen, worum es geht, ist der Blick aufs Wesentliche.“ Maria war die Unbefleckt Empfangene. Ihr Blick, ihr Urteil, ihr Sehen, ihr Denken und Fühlen war durch keine Unreinheit, keine Falschheit, keinen bösen Gedanken und keine Sünde getrübt. Sie hat gesehen mit der Klarheit Gottes, mit den Augen Gottes. Soviel wir von Maria wissen und über ihr Leben vermuten können, besaß sie kein außergewöhnliches Wissen. Es gab gewiss zahlreiche Menschen, die ein viel größeres Wissen als Maria hatten. Aber es gab wohl keinen Menschen, der eine solche Weisheit besaß wie sie. Sie trug Jesus Christus, die Weisheit Gottes, in ihrem Schoß und war seine Mutter. Zugleich war ihr ganzes Denken erfüllt und durchdrungen von Jesus Christus, der menschgewordenen Weisheit Gottes.
 
Wissen allein genügt nicht im Leben. Wissen kann uns sehr viele Dienste leisten, aber es braucht auch die Weisheit. Wie tröste ich einen Menschen, der von harten Schicksalsschlägen getroffen wird? Wie gewinne ich einen Menschen für Gott, der ein Suchender ist und zugleich eine Antipathie gegen alles Religiöse hat, an der alle guten Argumente abprallen? Wie helfe ich einem jungen Menschen, der sich schwer tut, gute Lebensentscheidungen zu treffen? Es gibt so viele Situationen, wo man mehr als Wissen benötigt. In solchen Momenten braucht der Mensch die Weisheit, das heißt den Blick auf das Wesentliche, das Entscheidende, das Bleibende, es braucht ein Denken und Urteilen vom tiefsten göttlichen Urgrund her, es braucht Klugheit, es braucht einen Verstand, der auf dem Weg der Reinigung von der Weisheit Gottes durchdrungen worden ist. Schon in ihren jungen Jahren hat Mutter Julia, der Gott viel Weisheit geschenkt hat, erkannt: „Jesus will, dass wir uns in seinem Dienst ganz mit unserem Verstand einsetzen, aber er will ihn mit seiner Weisheit reinigen und veredeln.”
 

Wenden wir uns immer wieder an Maria und rufen wir sie als Sitz der Weisheit an. Erbitten wir von ihr ein durch Weisheit gereinigtes und veredeltes Denken. Sie hat bei der Geburt Jesu Christi vor 2000 Jahren der Menschheit den Erlöser geschenkt. Sie schenkt uns unaufhörlich die Weisheit Gottes, denn sie ist, wie Mutter Julia sagt, „die ganz reine Mutter Gottes, die ein ungetrübter Abglanz der göttlichen Weisheit ist." Maria ist durch ein Meer des Leidens gegangen. Wer in die Schule des Kreuzes eintritt, tritt ein in die Schule der Weisheit. Das bezeugt der heilige Johannes von Kreuz, wenn er sagt: „Das Kreuz ist die Tür, durch die wir zu den Reichtümern der Weisheit Gottes eingehen können. Die Tür ist eng. Viele wünschen sich die Freude, zu der man durch diese Tür gelangt. Aber wenigen ist das Verlangen eigen, durch die Tür des Kreuzes einzutreten“ (Johannes vom Kreuz).  Maria, der du vom Makel der Erbschuld bewahrt geblieben und deinem Sohn treu nachgefolgt bist und mit ihm sein Leiden geteilt hast, erbitte uns das Geschenk der göttlichen Weisheit in allen Entscheidungen und Situationen unseres Lebens.

 

Maria, Sitz der Weisheit, bitte für uns.

 Radiopredigt 2012, Radio Horeb

 

Gebet zu Maria, dem Sitz der Weisheit

 

 

»Maria, Sitz der Weisheit, öffne unser Herz für deinen göttlichen Sohn und mache es gleich deinem Herzen. Erfülle es mit deiner Liebe, die weise und schenkend ist«
Mutter Julia Verhaeghe