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Veröffentlicht am
01.01.2021
Autor
P. Thomas Felder FSO

Im Vertrauen auf Gottes Vorsehung den Weg gehen

Gedanken zum Neuen Jahr 2021

Kapelle auf dem Hirschberg
Liebe Brüder und Schwestern!
 
Das Jahr 2020 ist zu Ende gegangen. Es gehört der Vergangenheit an. Aber es löst sich nicht ins Nichts auf. Es bleibt Teil der Menschheitsgeschichte. Es bleibt Teil der großen Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen.
Es drängt sich die Frage auf, wie geht es 2021 weiter? Halten die Unsicherheiten und Bedrohung an? Werden sie geringer oder werden wir an den Folgeschäden leiden? Wir wissen es nicht und wir sollten uns darüber nicht zu viele Gedanken machen.
Als Christen glauben wir, dass alles in Gottes Hand liegt. Wir vertrauen darauf, dass der Herr der Geschichte weiß, was die Welt, die Kirche und jeder von uns braucht, was uns näher zu Gott führt und damit zum Wesentlichen und Bleibenden.
„Wer glaubt, ist nie allein!“ Wer glaubt, hat allen Grund, zuversichtlich und mit Hoffnung das neue Jahr zu beginnen.
Zu Neujahr wünschen wir uns vor allem Gottes Segen. Der sogenannte Aaron-Segen verheißt Heil. „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil:“
Im Segen Gottes sind wir behütet, was immer kommen mag. Im Segen Gottes wendet der Herr uns sein Angesicht zu, d.h. er blickt uns gnädig an. Er sieht in meine Augen. Er sieht in mein Herz.  Er weiß, was uns bedrückt oder belastet, was uns Sorgen macht, aber auch woran wir uns freuen und aufrichten. Im Segen Gottes ist gnadenhaft Heil da.

Aber was steht hinter dem Segen Gottes? Hinter ihm steht die Überzeugung der Christen, dass es eine wunderbare und zugleich geheimnisvolle Vorsehung gibt. Vorsehung besagt, dass der lebendige Gott alles in seiner Schöpferhand hält und trägt und dass es ihm „in persönlicher Weise an jedem einzelnen Menschen liegt und er bereit ist, für diesen zu sorgen“ (Romano Guardini). Romano Guardini sagt: Der Mensch, der mit der Vorsehung Gottes lebt, „empfindet hinter den Kräften und Notwendigkeiten, die sonst das Geschehen regieren, eine andere Macht und einen neuen Sinn. Er fühlt sich in einen heiligen Zusammenhang aufgenommen, der von Gott ausgeht. Diese Erkenntnis kann gelegentlich ganz hell in uns aufleuchten und dann wieder fast erlöschen... Oft wird diese Erkenntnis nur wie ein leises Gefühl der Zuversicht das Leben durchwirken. Letztlich ruht alles auf dem Glauben. Das Eigentliche bleibt verborgen und wird erst offenbar, wenn sich am Ende der Geschichte das Reich Gottes erfüllt (Romano Guardini).

»Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil.«
Aaron-Segen

Die Botschaft von der Vorsehung Gottes verlangt von uns etwas sehr Großes: Gott zu glauben und auf ihn zu vertrauen. Unser Denken wird konfrontiert mit der anderen Sicht, die Gott hat. So hat Gott seine eigene Zeitvorstellung: „Ein Tag für den Herrn ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag“ (2. Petrus 3,8). Sein Timing ist perfekt: nie zu früh und nie zu spät. Gott ist nie in Eile, aber er kommt immer zur rechten Zeit, aber wir haben ein anderes Timing, wir sind in Eile und versäumen wohl deshalb zu oft, den richtigen Zeitpunkt, um mit der Vorsehung Gottes mitzuwirken. Meinen wir nicht gerne zu wissen, was wann am besten zu geschehen hat? In solchen Momenten sind wir nicht mehr Diener der Vorsehung, sondern benehmen uns wie einer, der das Kommando innehat. Da ist uns der hl. Josef ein großes Vorbild. Papst Franziskus sagt von ihm: „Er versteht es, ein Problem in eine Chance zu verwandeln, und zwar dadurch, dass er immer in erster Linie auf die Vorsehung vertraut (Papst Franziskus, Patris corde Nr. 5). Der hl. Josef macht Gott keine Vorschriften. Er versucht es nicht einmal. Nein, er hört hin auf Gott, er ist bereit und gewillt, sich auf das Wirken Gottes und seinen heiligen Willen einzulassen. Dadurch ist er zur rechten Zeit am rechten Platz und vollbringt das Richtige. Er lebt mit der Vorsehung. Er arbeitet mit der Vorsehung mit. So wird er zum Segen für die Menschheit.

Der hl. Josef versteht es, ein Problem in eine Chance zu verwandeln, und zwar dadurch, dass er immer in erster Linie auf die Vorsehung vertraut. (Papst Franziskus, Patris corde Nr. 5)
Heute, am ersten Tag des neuen Kalenderjahres wollen wir uns von Paulus das wichtige Wort sagen lassen: „Ihr müsst im Glauben bleiben, fest und in ihm verwurzelt, und ihr dürft euch nicht von der Hoffnung des Evangeliums … abbringen lassen“ (Kol 1,23a).
 
Wir blicken auf die Gottesmutter Maria und ihre Mutterschaft. Mutterschaft bedeutet, da ist Zukunft, da ist neues Leben und deshalb Hoffnung. Maria war Mutter und Jungfrau als jene, die Jesus gebar, aber auch als jene, die durch den Glauben neues Leben schenkte. In Maria leuchtet uns auf, was es heißt, im Glauben zu bleiben, im Glauben fest und verwurzelt zu sein. Die Gottesmutter hat sich trotz vieler äußerer Unsicherheiten und Bedrohungen nicht von der Hoffnung des Evangeliums abbringen lassen.
Beides ist für das neue Kalenderjahr wichtig:
Erstens fest im Glauben verwurzelt zu sein und daraus zu leben und zweitens dürfen wir uns von der Hoffnung, die uns das Evangelium schenkt, nicht abbringen lassen.
Wir brauchen die Fürsprache Mariens, der ganz reinen Braut des Herrn, damit wir rein menschliches Denken immer neu überwinden und gläubig, d.h. von Gott her denken lernen. Wir brauchen die Fürsprache Mariens, damit wir uns entschieden nicht abbringen lassen von der Hoffnung, die das Evangelium schenkt. Paulus sagt: „Christus ist unter euch, (er ist) die Hoffnung auf Herrlichkeit“ (Kol 1,27b).
 
Wer konkret glaubt und hofft, der wird mit Gottes Vorsehung im kommenden Jahr rechnen. Er wird nicht nur damit rechnen, sondern seine Seele wird kraft der Gnade Gottes immer neu an Höhe gewinnen und damit an Freude und Dankbarkeit, denn er wird sich immer mehr der Wirklichkeit der Vorsehung bewusst.  
Packen wir das neue Jahr in dieser Haltung an und beginnen wir jeden Morgen mit einem Lob auf Gottes wunderbare Vorsehung. Dann werden wir für andere ein Segen sein.

„Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenk dir Heil“.

Predigt zum Neujahrstag 2021