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Die geistliche Familie "Das Werk"

Glauben mit Mutter Julia

1. Teil

Die „Tür des Glaubens“ (vgl. Apg 14,27) führt uns in das Leben der Gemeinschaft mit Gott.
Der Glaube lässt uns eintreten in die wunderbare Welt Gottes, der Himmel und Erde erschaffen, uns seinen Sohn gesandt und uns im Heiligen Geist mit sich vereinigt hat. Der glauben­de Mensch bewegt sich in zwei Welten: Er lebt in der sichtbaren Welt, die er mit seinen Sinnen oder mit technischen Geräten wahrnimmt, und zugleich lebt er in der unsichtbaren Welt des dreifaltigen Gottes, den er nicht sieht, an den er aber glaubt. „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,29). Der Glaube, der den Menschen schon auf Erden selig macht, ist die Tür zwischen der für uns sichtbaren Welt und der unsichtba­ren Welt Gottes. Deshalb schreibt Papst Benedikt XVI.: „Die „Tür des Glaubens“ (vgl. Apg 14,27), die in das Leben der Gemeinschaft mit Gott führt und das Eintreten in seine Kirche erlaubt, steht uns immer offen. Es ist möglich, diese Schwelle zu überschreiten, wenn das Wort Gottes verkündet wird und das Herz sich durch die verwandelnde Gnade formen lässt. Durch diese Tür zu gehen bedeutet, einen Weg einzuschlagen, der das ganze Leben fortdauert. Er beginnt mit der Taufe (vgl. Röm 6,4), durch die wir Gott Vater nennen dürfen, und endet mit dem Übergang durch den Tod hindurch in das Ewige Leben, das Frucht der Auferstehung Jesu, des Herrn, ist“ (Benedikt XVI., Motu proprio Porta fidei, Nr. 1). Mutter Julia ist ein Leben lang durch die Tür des Glaubens gegangen. Wie hat sie geglaubt? Wie hat sie sich im Glauben bewährt? Welche Ratschläge gibt sie uns für unseren Weg des Glaubens?

Unerschütterlich auf Gott vertrauen

Das Leben von Mutter Julia war reich an Erfahrungen. Sie kannte die Geborgenheit einer christlichen Familie und Pfarr­gemeinde und die Hilfe von guten Priestern. Sie erlebte die beiden Weltkriege und die Not dieser schweren Zeit. Sie war Zeugin des Aufbruchs nach dem Zweiten Weltkrieg, der be­wegten Jahre des Konzils und der starken Umbrüche in den Jahren danach. Sie setzte sich ein für den Aufbau einer geistli­chen Familie mit allem, was an Freude und Mühe damit ver­bunden war. Sie lernte ihre ganze Hoff­nung auf Gott zu setzen, der den Menschen nie enttäuscht. Deshalb konnte sie am Ende ihres Lebens sagen: „Jetzt bin ich im Warte­saal und warte, bis der Bräutigam kommt. Ich habe keine Angst. Ich freue mich auf sein Kommen. Ich gehe zu dem, den ich mit seiner Liebe geliebt und dem ich mit seinem Licht gedient habe.“ Ihr Glaube hat sich bewährt und wurde wie „Gold, das im Feuer geprüft wurde“ (1 Petr 1,7). Ihr Glaube wurde unerschütterli­ches Vertrauen.
 
Sie wollte, dass ihre Schwestern und Brüder in der geistlichen Familie „Das Werk“ am Beginn eines jeden Tages ein Gebet sprechen, in dem es heißt: „Lehre uns erkennen, dass sich der Glaube in liebevolles Vertrauen verwandeln muss, um aus harren zu können und fruchtbar zu sein.“ Sie war überzeugt, dass wir lernen müssen, „mit einem demütigen und aufrichtigen Herzen, in kindlicher Einfachheit in Gottes Gegenwart zu wandeln. Dann wird die Gabe des Glaubens, die von ihm kommt, uns erleuchten.“
 
Das Vertrauen in Gott bewahrt uns davor, dass wir zu wanken beginnen, dass unser Geist ermattet oder unser Wille aufstän­disch wird. „Wie groß muss unser Vertrauen sein. Wie sehr müssen wir ihn lieben, mehr als wir aus uns selbst vermögen. Dann werden wir erfahren können, wie er durch seine Güte und Milde unser Unvermögen ergänzt. Während wir weitergehen, vermehrt er unsere Kräfte. Er tut dies dann und vor allem dann, wenn wir ab und zu über eine Schlucht hinwegschreiten müssen und eine Probe zu bestehen haben. Manchmal scheint es, als finde er eine besondere Freude daran, uns auf der anderen Seite der Schlucht mit seinem zärtlichen und mitfühlenden Herzen entgegenzueilen und uns zu trösten: ‚Ich bin es, fürchte dich nicht!‘ Er will die Furcht, die uns lähmt und zögern lässt, von uns nehmen. Wenn wir auf uns selbst gerichtet sind, steigt diese Furcht in uns auf und richtet sich gegen alles, was den Glauben an ihn betrifft. Er jedoch will unsere Stärke, unsere Sicherheit, unser Friede und unsere Freude sein“ (Mutter Julia).
»Die Heiligen sind Menschen, die sich Gott in Glauben und liebevollem Vertrauen genähert haben.«
Mutter Julia Verhaeghe