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Veröffentlicht am
08.07.2021
Autor
P. Thomas Felder FSO

Gedanken zum Hochfest der Apostel Petrus und Paulus

Wer ist Jesus für mich? – Das ist die zentrale Frage.

Kuppel von St. Peter, Rom
Liebe Brüder und Schwestern!
Es ist klar, dass das heutige Evangelium ein wichtiges ist. Im Laufe der Jahrhunderte der Kirchengeschichte haben Gläubige in ihm Halt und Hoffnung gefunden, denn die Kirche – so lautet die Verheißung – wird nicht untergehen. Sie ist auf Felsen gebaut.
Wir leben in einer Zeit, in der wir oft wenig Felsen, wenig tragenden Grund spüren. Vieles ist in Fluss geraten, christliche Grundüberzeugungen werden in wichtigen Fragen von der Mehrheit der Gesellschaft nicht mehr geteilt. Die Kirche mit ihren Werten und Überzeugungen erfährt zunehmend Widerstand. Aber auch innerhalb der Kirche ist vieles in Bewegung geraten und so manch einer sucht nach Halt und Orientierung.
Aus der Sicht und dem Lebensgefühl des Großteils unserer Mitbürger und Mitbürgerinnen muss das heutige Evangelium als Provokation erscheinen. Denn da wird einem Menschen, nämlich Petrus, eine Leitungsaufgabe mit göttlicher Vollmacht übertragen, nicht nur für fünf Jahre. Er hat eine Vollmacht empfangen, zu binden und zu lösen mit Wirkung bis in den Himmel hinein.

Schauen wir uns das Evangelium etwas näher an und fragen wir uns, was bedeutet das für mich persönlich und für die Kirche Jesu heute?

1. Bekenntnis

Jesus, der gute Meister, frägt seine Jünger, für wen die Leute ihn halten. Während die jüdische Obrigkeit ihr Urteil bereits gebildet hat, nämlich, dass er mit Beelzebul paktiert, schneidet Jesus bei den Leuten, dem herkömmlichen Fußvolk, gut hab. Er wird in die Reihe der großen Propheten eingereiht. Jesus hört dadurch die allgemeine Einschätzung seiner Person. Aber er signalisiert klar und deutlich: Die Jünger dürfen sich nicht hinter der Volksmeinung verstecken. Nein, Jesus fragte sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Sie sind also persönlich gefragt. Jesus erwartet von ihnen ein Bekenntnis. Petrus gibt es stellvertretend für die Zwölf.
Auch ich, auch wir, dürfen uns nicht hinter der herrschenden Meinung über Jesus, Glaube und Kirche, die nicht unwesentlich von Medien geprägt ist, verstecken.
Auch von mir, von uns und von der Kirche erwartet Jesus ein klares Bekenntnis zu seiner Person. Das Bekenntnis muss lauten: Ja, Jesus, du bist der Messias, der einzige Retter der Welt. Jesus ist der letzte Gesandte Gottes nach den Propheten. Nach ihm kann keiner mehr kommen, der ihn überbieten würde. Sein Auftreten bestimmt die Zeit bis zur letzten Zeit.
Wer ist Jesus für mich? – das ist die zentrale Frage. Das ist eine Entscheidungsfrage von letztem Ernst. Wenn er der Messias ist, wenn er der Sohn Gottes ist, dann dürfte uns nichts irritieren; dann dürften uns weder bedauernswerte gesellschaftliche noch kirchliche Ereignisse aus der Bahn werfen. Jesus erwartet von mir, von uns und von seiner Kirche das klare öffentliche Bekenntnis zu ihm, unserem geliebten Herrn, der uns an sein Herz gezogen hat.
»Ihr aber, für wen haltet ihr mich?«
Mt. 16,15

2. Petrus, der Fels

Dem ungestümen und im Glauben noch schwankenden Fischer übergibt Jesus, der Herr von Welt und Zeit, eine göttliche Vollmacht. Er erhält den Auftrag, die Herde Christi zu leiten und zu weiden. Er tut es, indem er den Lehrglauben der Kirche reinerhält und entfaltet. Er tut es aber auch, indem ihm durch das Binden und Lösen eine Vollmacht gegeben ist, die die Kirche ordnet, sie schützt und ihr Frieden schenkt. Petrus ist somit der Verwalter Jesu mit einer enormen Vollmacht.
Aber dennoch hat Christus das letzte Wort. „Die letzte und endgültige Entscheidung, wer in das Königtum Gottes eingeht, ist dem Richter der Endzeit, Christus, vorbehalten… Aber es gibt für die Zeit vor dem Endgericht Vorentscheidungen, kraft einer in der Kirche ausgeübten richterlichen Gewalt. Wer zu den Auserwählten für das vollendete Königtum Gottes gehört, das ist in Gottes Ratschluss verborgen. Wer aber jetzt zur Heilsgemeinde gehört oder nicht, das ist in die Hände des Petrus gelegt“. (Wolfgang Trilling)
Was bedeutet das für mich, für uns und für die Kirche? Sie muss zum Petrusamt stehen und dieses als Gabe Jesu annehmen. Zum Petrusamt stehen und an diese Gnade zu glauben, zeigt sich etwa im Gebet für den Nachfolger des hl. Petrus. Es zeigt sich im Mitfreuen und Mitleiden mit ihm und der Kirche.
In einer Zeit, in der die Träger von Vollmachten schnell des Machtmissbrauches verdächtigt werden, hat es der Papst schwer. In einer Zeit, in der das Denken der meisten von einem demokratischen Denken geprägt ist, verstehen viele so ein Amt kaum mehr oder empfinden es rasch als überkommen oder veraltet.

Umso mehr sind überzeugte Katholiken herausgefordert, zu den großen Gaben Jesu zu stehen, wozu auch das Papsttum gehört.

3. Die Kirche ist auf Dauer angelegt

Der Kirche Jesu gilt die Verheißung, dass die Pforten der Unterwelt sie nicht überwältigen werden.
Das heißt: „Über die Stiftung Christi wird die Macht des Todes keine Gewalt haben. Wie der Tod keine Macht mehr hat über Jesus (Röm 6,9), so auch nicht über seine Kirche. Der Tod ist Folge der Sünde, Jesus aber wird die Sünde besiegen, [hat] sein Blut als Lösegeld hingegeben für die vielen zur Vergebung der Sünden (vgl. 20,28). Das Felsenfundament wird den Tod überdauern, die Lebenskräfte des Auferstandenen können nicht mehr vom Tode überwunden werden.“ (Wolfgang Trilling)
Der Grund, warum die Kirche nicht untergehen kann, liegt nicht im Petrusamt und nicht in der ihr gegebenen Vollmacht, sondern ist Macht des Auferstandenen.
Wenn heute die Kirche, der Mystische Leib Christi, durch schwere Zeiten geht, geläutert und geprüft wird, so liegt für den Glaubenden die Hoffnung nicht in Strukturprozessen, auch wenn diese nötig sein können. Die Hoffnung liegt auch nicht einfach im jeweiligen Papst. Sie liegt auch nicht in der Macht der Betenden und Sühnenden. Sie liegt allein in der Macht des Auferstandenen.
Wenn bei Strukturprozessen der Auferstandene am Werk ist, dann werden sie dienlich sein. Wenn der jeweilige Papst Erneuerungen initiieren kann, dann deshalb, weil er sich vom Auferstandenen leiten und prägen lässt. Wenn betende und sühnende Menschen viel zum Heil und zum Guten bewegen können, dann deshalb, weil sie ihr Beten und Sühnen in tiefer Verbundenheit mit dem auferstandenen Christus erfüllen.
 
Der hl. Paulus kannte die tiefe Sehnsucht, mit Jesus mitgekreuzigt zu werden, um mit ihm aufzuerstehen. Das Kreuz Christi hat ihn geprägt und der Glaube, dass der Auferstandene lebt.
Vom gekreuzigten und auferstandenen Herrn her hat er in der jungen Kirche Strukturen gelegt und entfaltet.
Der Auferstandene konnte durch Paulus Machtvolles für die Kirche und die Seelen vollbringen, weil er sich ganz von Jesus bestimmen ließ, weil er leidenswillig und leidensfähig war.
Jesus konnte durch Paulus viel bewirken, weil er tief im Gebet und in der sühnenden Opferbereitschaft verankert war.

Bitten wir die beiden Apostelfürsten um die Gnade, uns vom auferstandenen Herrn Jesus Christus tief prägen zu lassen. Amen.

Predigt vom 29. Juni 2021, das gesprochene Wort wurde beibehalten.