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Eine Liebe, die stark macht!

Betrachtung zur vierten Anrufung des Gebetes "Maria, Sitz der Weisheit"

vollständiges Gebet: Maria Sitz der Weisheit

 

Maria, Sitz der Weisheit, öffne unser Herz für deinen göttlichen Sohn und mache es gleich deinem Herzen,

erfülle es

 "... mit einer Liebe, die den opferbereiten Willen in neuem Tugendstreben erstarken lässt und ihm ein Gespür für Zuvorkommenheit schenkt."

Tugend kommt von taugen. Sie macht uns nämlich taug­lich für unsere Aufgabe im Heilsplan Gottes, sie macht uns offen und verfügbar für die leisen Winke Gottes. In­folge der Erbsünde ist unser Wille geschwächt und oft von selbstsüchtigen Bestrebungen beeinflusst. Der Wille kann sehr stark sein, wenn es um den eigenen Vorteil geht. Wenn es aber um das echte Dienen geht, wenn uns keine oder wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, dann ist der Wille oft schwach und kraftlos. Die Liebe zu Christus, unserem Erlöser, hilft uns, in echter Opfer­be­reit­schaft die Eigensucht Schritt für Schritt zu über­win­den und in der wahren Liebe zu reifen.
 
Wer nach Tugend strebt, muss Gott immer wieder um Hilfe bitten und seinen Willen durch Opfer trainieren, die ihn in Glaube, Hoffnung und Liebe erstarken lassen. Dazu müssen wir keine besonderen Situationen abwarten oder her­bei­führen. Es geht um nichts Besonderes. Jeder Tag bietet uns genug Gelegenheiten, wenn wir innerlich wach­sam sind. Das beginnt schon mit dem rechtzeitigen und entschlossenen Aufstehen. In seinen Anweisungen zum "sicheren Weg zur Heiligkeit" beginnt Kardinal John Henry Newman mit: "1. Stehe auf, wenn die Zeit dafür ge­kom­men ist." Wer gleich beim Aufstehen die Trägheit über­windet, wird sich auch während des Tages leichter tun, der Neigung zur Bequemlichkeit zu widerstehen. Wer ihr aufrichtig den Kampf angesagt hat, wird immer mehr einsehen, warum die Trägheit zu den sieben Haupt­sünden zählt: Im persönlichen wie im gemein­schaft­lichen Leben kann sie großen Schaden anrichten. Dementsprechend ist ihre Überwindung eine große Wohl­tat für uns selbst und eine Tat wahrer Nächstenliebe.
 
Je mehr wir vom Joch der Trägheit befreit sind, desto mehr werden wir "ein Gespür für Zuvorkommenheit" bekommen. Liebe hat "schnelle Beine". Sie kann sich in andere hineinfühlen und Situationen überblicken. Wir handeln nicht nur rascher, sondern auch klüger und be­son­nener. Zugleich überwinden wir auch die Bequem­lich­keit des Geistes: Wir denken unbeschwerter, Ent­scheid­ungen fallen uns leichter, weil wir klarer zwischen Gut und Böse zu unterscheiden vermögen. Das Licht des Glaubens erhellt unseren Verstand und stärkt unseren Willen für das Gute.
 
Auf der Hochzeit von Kana hat uns Maria ein herrliches Beispiel wachsamer Liebe gegeben. Vor allen anderen be­merkte sie, dass der Wein auszugehen drohte. So­gleich bat sie Jesus um Hilfe. Auf ihre Bitte hin ver­wandelte er eine große Menge Wasser in köstlichen Wein. So trug Maria dazu bei, dass das Hochzeitspaar vor der peinlichen Situation bewahrt wurde, keinen Wein mehr zu haben. Sie wird uns bei diesem ersten Wunder Jesu als ein großes Vorbild der Zuvorkommenheit vor Augen gestellt.
»Die Tugenden haben die Eigentümlichkeit, dass sie sich vor dem verbergen, der sie besitzt.«
Hl. Theresia von Avila