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Die geistliche Familie "Das Werk"

Eine Liebe, die Frieden schenkt

Betrachtung zur zweiten Anrufung des Gebetes "Maria, Sitz der Weisheit"

vollständiges Gebet: Maria Sitz der Weisheit

 

Maria, Sitz der Weisheit, öffne unser Herz für deinen göttlichen Sohn und mache es gleich deinem Herzen,

erfülle es

... mit einer Liebe, die uns selbst und den andern den wahren Frieden zu bringen vermag.

Alle Menschen sehnen sich nach Frieden. Manchmal ist aber wenig davon zu spüren. Öfters bauen die Menschen an einem bloßen Scheinfrieden. Spannungen werden nicht gelöst, sondern nicht selten unter den Teppich gekehrt, um den Anschein von Frieden und Ruhe zu geben. Die Ursachen der Uneinigkeit sind damit aber noch nicht ausgeräumt. Dies gilt auch für den Frieden in uns selbst. Nach außen hin geben wir uns manchmal zufrieden und glücklich. In unserem Inneren schaut es oft ganz anders aus. Weil wir nicht immer bereit sind, etwas anzunehmen oder loszulassen, ringen wir mit Gott, mit seinem Willen, mit seinen Geboten, wollen unseren Eigensinn durchsetzen. Unser Gewissen gewährt uns jedoch keine Ruhe, es gewährt uns keinen wahren Frieden. Diesen kann nur ein reines Gewissen schenken - ein Gewissen, das Gottes Willen und seine erlösende Gnade in Liebe annimmt. Je mehr wir diesen wahren Frieden in uns tragen, desto mehr können wir ihn auch den anderen bringen. Diese innere Ruhe, die aus Gott stammt, wird uns helfen, nicht einen Scheinfrieden zu leben, der auf falschen Kompromissen beruht. Das Gewissen ruft uns auf, "um des lieben Friedens willen" von der Ordnung und den Geboten Gottes keine Abstriche zu machen, sondern sie einfach anzunehmen und unser Leben danach auszurichten. "Heiligkeit vor Frieden" war ein Grundsatz von Kardinal Newman. In diesem Sinn sind auch die Worte Jesu zu verstehen: "Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, ich sage euch, nicht Frieden, sondern Spaltung" (Lk 12,51).
 
Zum wahren Frieden kommen wir also nur, wenn unser persönliches, gesellschaftliches und gemeinschaftliches Leben immer mehr von der Ordnung Gottes geprägt und auf seinen Willen und seine erlösende Liebe ausgerichtet wird. "Wohl denen, die dich lieben;" heißt es im Buch Tobit, "sie werden sich freuen über den Frieden, den du schenkst" (Tob 13,15). Der wahre Friede ist ein Geschenk Gottes. Jesus hat dieses Geschenk in die Welt gebracht und seinen Jüngern verheißen: "Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch" (Joh 14,27). Dieser Friede kommt also aus der tiefen, liebenden Verbundenheit mit Gott, die in der Taufe ihren Ursprung hat. Er ist eine Folge der gelebten Gotteskindschaft, wie der heilige Paulus bestätigt: "Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen in der Gemeinschaft mit Jesus bewahren" (Phil 4,6-7).
 
Wie sehr hat der wahre Friede das Herz Marias erfüllt! Sie war ja mit ungeteilter Hingabe ausgerichtet auf Gott und seinen Willen. Sie war voll der Gnade - und deshalb auch voll des Friedens. Zu Recht rufen wir sie an als die "Königin des Friedens". Bitten wir Maria, unsere Mutter:
» Maria, lehre mich, einfach zu sein in meinem Denken und Tun, kindlich offen und empfänglich für Gottes Gaben.«
Mutter Julia Verhaeghe