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Veröffentlicht am
19.06.2018
Autor
Die geistliche Familie "Das Werk"

Eine Liebe, die eine Atmosphäre der Freude schafft

Betrachtung zur dritten Anrufung des Gebetes "Maria, Sitz der Weisheit"

 

vollständiges Gebet: Maria Sitz der Weisheit

 

Maria, Sitz der Weisheit, öffne unser Herz für deinen göttlichen Sohn und mache es gleich deinem Herzen, erfülle es

"... mit einer Liebe, die eine Atmosphäre der Freude schafft

und Geborgenheit ausstrahlt für all jene,

mit denen wir täglich zusammenleben".

 

Der heilige Paulus schreibt: "Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede ..." (Gal 5,22). Diese Früchte des Heiligen Geistes gehören offenbar eng zusammen. "Gott bewahre uns vor griesgrämigen Heiligen!", pflegte die heilige Theresa von Avila zu sagen. Heiligkeit zeigt sich nicht durch Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit, sondern durch eine besondere Heiterkeit des Geistes. Diese unterscheidet sich sehr wohl von weltlicher Freude, von oberflächlicher Ausgelassenheit. Wahre christliche Freude ist mit der Gottesliebe und Selbstbeherrschung verbunden. Um sie empfangen zu können, müssen wir gewöhnlich durch die Schule des Opfers und des Kreuzes gehen. Weltliche Freude, die oft nur oberflächlicher Spaß ist, ist meist nur kurzfristig und äußerlich. Die Nachfolge Christi ist gewiss fordernd, aber auch der Weg zur wahren Freude. Die Kirche betet am Karfreitag: "Denn siehe, durch das Holz des Kreuzes kam Freude in alle Welt". Ausgerechnet aus dem Gefängnis ruft der heilige Paulus uns auf: "Freut euch im Herrn zu aller Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe!" (Phil 2,4-5).
 
Schon ein flüchtiger Blick in ein frohes, erlöstes Gesicht kann auf unsere Seele eine heilsame Wirkung haben. "Eine Atmosphäre der Freude", wie es im vorliegenden Gebet heißt, vermittelt Wärme und Geborgenheit. Solche Geborgenheit entsteht dort, wo die Ichsucht abnimmt und der schenkenden Liebe Platz macht. Die Echtheit einer solchen Atmosphäre zeigt sich im Umgang mit unseren "Nächsten", "mit denen wir täglich zusammenleben". Denn, wie Mutter Julia sagt, "es ist einfacher, sich einem Armen oder Bedürftigen gegenüber dienstbar zu erweisen oder barmherzig zu sein, als jenen in dienender Liebe zur Seite zu stehen, mit denen man täglich zusammenlebt und deren kleine Schwächen man kennt".


Mit der Menschwerdung Christi ist die wahre Freude in die Welt gekommen. "Fürchtet euch nicht, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll. Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren" (Lk 2,10f.), verkündete der Engel den Hirten. Maria hat uns den Retter geboren. Deshalb wird sie auch die "Ursache unserer Freude" genannt. Die tiefe, stille Freude, von der Maria beseelt war, hat ihren wunderbaren Ausdruck bekommen im Magnifikat: "Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter..." (Lk 1,46-55).

»Wo die meiste Wahrheit ist, ist auch die meiste Freude.«
Paul Claudel