Cover
»«
Autor
Die geistliche Familie "Das Werk"

Da kann nur mehr der Pfarrer helfen!

P. Josef Gruber stellt sich vor.

Das Telefon klingelte. Aus dem Tiefschlaf gerissen, war mein erster Gedanke: „Das kann nur vom Krankenhaus sein.“  Ich hob den Hörer ab und hatte mich nicht getäuscht: Es war die Stimme der Krankenpflegerin.
 
Situationen wie diese erlebe ich in der Seelsorge im Krankenhaus und in den beiden Sozialzentren in Hohenems/Vorarlberg oft.
 
Bei meinem Dienst an den Kranken versuche ich, ihnen zu helfen den Blick auf Jesus zu richten. Nur er kann ihnen in den verschiedensten Nöten ihres Lebens, besonders wenn es ums Sterben geht, den wahren Trost schenken.
 
Viele Geschichten gäbe es, die bezeugen, dass Jesus wirklich in den schwersten Stunden unseres Lebens Trost gibt. Von einer Mitarbeiterin im Sozialzentrum habe ich Folgendes erfahren:
Sie hatte Nachtdienst, und einer der Bewohner, der im Sterben lag, war in der Nacht extrem unruhig. Sie wusste sich keinen Rat mehr, was sie tun sollte. So kam ihr der Gedanke: "Da kann nur mehr der Pfarrer helfen!" Sie rief mich an und bat mich, zu kommen und ihm die Krankensalbung zu spenden.
Ich kannte diesen Mann schon lange, hatte ihn fast jede Woche besucht, ihm oft den Segen gespendet. Gespräche mit ihm waren wegen seiner Demenz nicht möglich. Einige Tage zuvor hatte ich erfahren, dass es in seinem Leben einen schweren Familienkonflikt gab. Seine eigenen Verwandten lehnten ihn gänzlich ab. Sie wollten nicht einmal benachrichtigt werden, wenn er stirbt.
So habe ich ihn beim Bußakt am Beginn auf diesen Punkt angesprochen und ihm erklärt, dass wir Gott um Verzeihung bitten für unsere Sünden, alles von Herzen bereuen, was wir anderen Böses angetan haben und auch alles von Herzen den anderen verzeihen, womit sie uns weh getan haben … ich habe ihm, wie es in solchen Fällen möglich ist, auch die Lossprechung gegeben und dann die Krankensalbung gespendet. Er sah mich mit großen Augen an, aber ohne ein Zeichen, ob er etwas von dem verstanden hatte, was ich tat.
Nach dieser Krankensalbung, so erzählte mir diese Pflegerin, war der Mann wie ausgewechselt, er hat geschlafen wie ein Kind, die Unruhe war von ihm völlig gewichen, und nach einigen Tagen ist er friedlich entschlafen.
 
Es ist so entscheidend, dass wir in Frieden mit Gott und den Menschen in das neue Leben hinübergehen, das uns der Herr verheißen hat.
In meinem priesterlichen Dienst, besonders in der Seelsorge an kranken und leidenden Menschen, erfahre ich immer wieder, wie es in einem Lied heißt: "Alles ist Gnade, alles Geschenk, du bist nur Werkzeug, dessen gedenk!" Der Herr lässt sich an Großzügigkeit nicht übertreffen. Aber wir müssen unseren Weg im Glauben gehen, noch nicht im Schauen. Doch manches Mal lässt uns der Herr auch etwas schauen, von dem, was er an den Seelen wirkt.
»Geben bedeutet nicht verlieren, es heißt: aufheben für morgen.«
aus Sambia