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Veröffentlicht am
19.11.2020
Autor
Die geistliche Familie "Das Werk"

Dankfeier für 55 Jahre Anwesenheit in der „Piccola Casa“

mit Erzbischof Giacomo Morandi

 
Am Sonntag, 15. November 2020, fand eine feierliche Dankmesse für die 55 Jahre Anwesenheit der Schwestern unserer geistlichen Familie in der „Piccola Casa“ und für ihren Dienst im Generalat der Missionare Afrikas (Weiße Väter) statt.

Die Eucharistiefeier in der Kapelle der „Piccola Casa“ wurde von Erzbischof Giacomo Morandi, dem Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre, zelebriert. Unsere beiden international Verantwortlichen, P. Thomas Felder und Mutter Margarete, P. Hermann Geißler, Direktor des Newman-Zentrums, sowie einige Schwestern unserer geistlichen Familie nahmen daran teil.

Am Beginn der heiligen Messe erinnerte der Erzbischof an den 110. Geburtstag von Mutter Julia am vergangenen 11. November und lud ein, Gott für alle Gnaden zu preisen, die er während der letzten 55 Jahre in der „Piccola Casa“ und im Dienst für die Weißen Väter geschenkt hat.

S.E. Mons. Giacomo Morandi

 

Die Predigt begann er mit einigen Gedanken zu den Sonntagslesungen. Die erste Lesung kommentierend, erklärte er, dass das Buch der Sprichwörter die wahre Weisheit rühmt und in ein Loblied auf die „tüchtige Frau“ einmündet. „Diese Frau“, so sagte er, „steht konkret für die inkarnierte Weisheit, für jene Weisheit, die zur Tat wird, die sich in der Schönheit eines von der Liebe durchdrungenen und verwandelten Lebens zeigt. Das ist die wahre Schönheit, die Leben schenkt, ans Werk geht und die Zeit gut nützt.“

Mit Bezug auf das Evangelium fügte er hinzu: „Die Zeit ist das große Talent, das wir erhalten haben. Wenn wir so ans Werk gehen, setzen wir das, was uns anvertraut ist, für unsere Brüder und Schwestern ein, und wir wissen, dass der Herr einmal kommt und wir ihm Rechenschaft schulden. Das bedeutet nicht, ängstlich zu werden, aber eine heilige Unruhe tut uns gut. Eine heilige Unruhe, damit wir die vielen Gaben, die der Herr uns anvertraut hat, nicht vergeuden. In dieser Gesinnung feiern wir heute, dass ihr 55 Jahre hier am Werk seid, und wir danken für all das Gute, das durch die Schwestern, die hier gearbeitet haben, ausgesät wurde.“

 

Anschließend unterstrich der Sekretär der Glaubenskongregation, dass Mutter Julia zutiefst durch ein Wort des heiligen Paulus getroffen wurde, der seinen Schüler Timotheus aufgerufen hat, die gesunde Lehre zu verkünden, ob man sie hören will oder nicht. „Der heilige Paulus, vor allem seine Leidenschaft für den Herrn“, so erläuterte er, „sollte Mutter Julia während ihres ganzen Lebens begleiten. Wir kommen in Verlegenheit, dem Apostel Paulus zu begegnen. Wir haben Angst vor diesem Giganten des Glaubens, weil wir dadurch unsere Armseligkeit, unsere Kleinheit und manchmal auch unsere Mittelmäßigkeit erkennen und merken, wie wir uns das Leben gemütlich einrichten. Doch Paulus hat alles gegeben, sein Leben war ein Ganzopfer. Und beim Lesen des Buches über Mutter Julia kann man sehen, wie auch ihr Leben mehr und mehr Hingabe an den Herrn wird. Eine Ganzhingabe, die sich auch durch einen Sturz von der Treppe und inmitten von Krankheiten, Leiden und Prüfungen vollziehen kann.“

Im Blick auf den zukünftigen Weg meinte Erzbischof Morandi: „Wir möchten Gnade nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft. Wir möchten abgesichert sein. Wir suchen eine Gewissheit für die Zukunft, so dass wir keinen Glaubensakt mehr setzen müssen. Halten wir uns immer vor Augen: Das Werk ist schon da, es ist das Ostergeheimnis des Herrn. Wir sind gerufen, in diesen heiligen Bund, in diesen neuen und ewigen Bund einzutreten. Die Dornenkrone tragen bedeutet, das tägliche Leben in Einheit mit Jesus zu einem Ganzopfer machen. Der Herr bittet uns, in diese österliche Dynamik einzutreten. Er erwartet, dass wir Kanäle der Gnade seien.“
Abschließend zitierte und kommentierte der Erzbischof eine Frage von Mutter Julia: „Sind wir Boten des Glücks und des Friedens? Diese Frage hat mich getroffen. Wir sollen nicht nur Boten des Friedens sein, sondern Boten des Glücks. Der heilige Papst Paul VI. sagte: Das Christentum ist nicht leicht, aber es macht glücklich. Mein Wunsch, liebe Schwestern, wo auch immer ihr sein werdet, lautet: Seien wir immer, in jeder Situation, Boten des Glücks!“

 

»Wir suchen eine Gewissheit für die Zukunft, so dass wir keinen Glaubensakt mehr setzen müssen. Halten wir uns immer vor Augen: Das Werk ist schon da, es ist das Ostergeheimnis des Herrn. Wir sind gerufen, in diesen heiligen Bund, in diesen neuen und ewigen Bund einzutreten. «
aus der Predigt

 

Am Ende der Eucharistiefeier meinte Erzbischof Morandi mit einer guten Portion Humor, dass einige Schwestern jetzt neue Aufgaben erhalten werden: „Ich habe gelernt, dass man Pläne schmieden und klare Ideen haben muss, dass es aber immer auch der Bereitschaft bedarf, diese Pläne zu aggiornieren. Wir haben das Recht auf das vorletzte Wort. Für dieses Recht sollen wir kämpfen, aber es bleibt immer das vorletzte. Ich denke, diese Bereitschaft, die das Leben von Mutter Julia geprägt hat, lehrt auch uns, immer offen und aggiorniert zu bleiben.“
 

Audioaufnahme der Predigt in italienischer Sprache